Bedarfsgerechtigkeit und Verteilungsprozeduren

DFG-Forschergruppe 2104

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Ziel der Forschergruppe „Bedarfsgerechtigkeit und Verteilungsprozeduren“ ist es, Beiträge zu einer positiven und einer informierten normativen Theorie der Bedarfsgerechtigkeit auf der Grundlage experimenteller Evidenz zu liefern. Diese Theorie soll Antwort auf die vier Fragen geben, (i) wie Individuen Bedarfe identifizieren und welche Verteilungen als ausreichend für identifizierte Bedarfe angesehen werden, (ii) was auf kollektiver Ebene als bedarfsgerecht anerkannt wird und wie der Prozess der Bedarfsanerkennung abläuft, (iii) welche Dynamik der kollektive Anerkennungsprozess im Sinne einer (in-)stabilen politischen Einigung entfaltet und (iv) welche durch Anreize ausgelösten Folgewirkungen von der kollektiven auf die individuelle Ebene entstehen und ob eine bedarfsgerechte Umverteilung nachhaltig ist. Wir vermuten, dass das Prinzip der Bedarfsgerechtigkeit das Spannungsverhältnis zwischen eigennützigen und strategisch beeinflussten Verteilungspräferenzen (sozialen Präferenzen) und ethisch reflektierten Gerechtigkeitsprinzipien minimiert, wenn die Anerkennung von Bedarfen auf transparente Art und Weise geschieht (soziale Objektivierung) und verfügbare Informationen durch Expertise optimal ausgenutzt werden (sachliche Objektivierung). Die Beantwortung der vier Fragestellungen orientiert sich daher an zwei zu testenden Leithypothesen: Die Transparenzhypothese geht davon aus, dass mit größerer Transparenz von Entscheidungsprozessen zur Anerkennung von Bedarfen die individuelle und kollektive Akzeptanz des Verteilungsergebnisses steigt. Analog geht die Expertenhypothese davon aus, dass die Objektivierung von Bedarfsanerkennungsentscheidungen durch den Einsatz von Expertise die Zustimmung zum Verteilungsergebnis erhöht. Sieben interdisziplinär besetzte Teilprojekte widmen sich jeweils einer der vier Forschungsfragen aus Sicht einer der beiden Leithypothesen.

Team