DFG bewilligt 2,4 Millionen Euro für die Fortführung der Forschergruppe „Bedarfsgerechtigkeit und Verteilungsprozeduren“ (FOR 2104)

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die Fortführung der Forschergruppe „Bedarfsgerechtigkeit und Verteilungsprozeduren“ (FOR 2104) für weitere drei Jahre bewilligt. Die Forschergruppe erhält insgesamt rund 2,4 Millionen Euro.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die Fortführung der Forschergruppe „Bedarfsgerechtigkeit und Verteilungsprozeduren“ (FOR 2104) für weitere drei Jahre bewilligt. Die Forschergruppe erhält insgesamt rund 2,4 Millionen Euro. Die Mittel verteilen sich größtenteils auf Personal (insgesamt 10 wissenschaftliche Mitarbeit-Stellen für Doktoranden und Post-Doktoranden) und Probandenhonorare für die geplanten Experimente. Zudem soll in der zweiten Förderphase ein Teil der Mittel für Öffentlichkeitsarbeit in Form von Transfer-Workshops verwendet werden. Die Forschergruppe will gemeinsam mit Akteuren aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Organisationen die Ergebnisse des Projekts öffentlich diskutieren und aus der Diskussion mit Nichtwissenschaftlern praxisorientierte Empfehlungen destillieren. Zusätzlich zu den in der ersten Phase bewilligten sieben Teilprojekten konnte ein zusätzliches Teilprojekt, geleitet von Prof. Kai-Uwe Schnapp (Uni Hamburg), eingeworben werden. Sprecher der Forschergruppe bleibt Prof. Stefan Traub (HSU Hamburg).

In den insgesamt acht Teilprojekten, die an den Universitäten Hamburg, Bremen, Oldenburg, Wien (Österreich), der Jacobs University Bremen, der Helmut-Schmidt Universität Hamburg, und der Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur (Schweiz) angesiedelt sind, wird in den kommenden drei Jahren weiterhin an einer durch empirisch-experimentelle Evidenz gestützten normativen Theorie der Bedarfsgerechtigkeit geforscht. Eine Besonderheit von FOR 2104 ist der interdisziplinäre Zuschnitt, der die Disziplinen Ökonomie, Philosophie, Politikwissenschaft, Psychologie und Soziologie umfasst und in den Teilprojekten jeweils zu Tandems verbindet. In methodischer Hinsicht ist die Gruppe innovativ, weil alle Teilprojekte mit Hilfe von Laborexperimenten Daten zum Verhalten von Versuchspersonen in Verteilungssituationen sammeln. Es wird also direkt beobachtet, was Menschen als gerechte Verteilung empfinden und an welchen Gerechtigkeitsmaßstäben sie ihr Verhalten ausrichten.  Die erste Förderphase (4.2015-3.2018) hat gezeigt, dass die Verteilung von Ressourcen nach gesellschaftlich anerkannten Bedarfen ein zentrales Handlungs- und Gerechtigkeitsprinzip in Verteilungssituationen darstellt. Bedarfsgerechte Steuer- und Transfersysteme sind im Allgemeinen widerspruchsfreier, politisch legitimer und stabiler und ökonomisch nachhaltiger als solche, die sich rein an Leistungsgerechtigkeit oder Gleichheit orientieren.

In der nun genehmigten zweiten Förderphase stehen unterschiedliche Konzeptionen der Bedarfsgerechtigkeit im Mittelpunkt, die sich aus Heterogenität – also unterschiedlichen Gruppenmitgliedschaften, die auf erworbenen (z.B. Leistung) oder zugeschriebenen Eigenschaften (z.B. Geschlecht oder Herkunft) basieren – ergeben. Es wird zu überprüfen sein, welchen Reichweiteneinschränkungen das Bedarfsprinzip unterliegt, welches Ausmaß an Differenzierung und anerkennungsfähiger Begründung auftritt und ob es auch in Gegenwart ausgeprägter Heterogenität konsistent ermittelte, legitime, stabile und nachhaltige Verteilungsergebnisse erzeugt.